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12 | 12 | 2018
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Peters Sommertour in Aurich: "Mobilität und Naturschutz"

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Am 10.08.2017 besuchte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Peter Meiwald den Ortsverband Aurich, um sich einen direkten Eindruck der geplanten Naturzerstörung durch die B210n zu verschaffen und um abends mit Bürgerinnen und Bürgern über alternativen zur bisherigen Verkehrspolitik zu sprechen.

Der grüne Ortsverband hatte hierzu eine Radtour organisiert, an der auch Vertreter*innen von ADFC, CAR-SHARING, LASTENRAD AURICH und BILANZ teilnahmen (bei der Diskussion im Anschluss im Nabu-Café kam noch der NABU dazu).


Radtour

Die Radfahrer*innen starteten am Gedenkstätten-Parkplatz am Südeweg, um zunächst die Anschlussstelle der geplanten B210n zum Knotenpunkt Sandhorst-Nord anzusteuern. Dieser befindet sich schräg gegenüber des Sandhorster Kruges, knapp südlich des Gewerbegebietes Tannenhausen.

Dann folgten die Radler*innen der geplanten Trasse, durch die wunderschöne Wallheckenlandschaft, etwa parallel zur Sandhorster Ehe und sich immer mehr dieser nähernd. Durch das unmittelbare Landschaftserlebnis wurde hier ebenso wie im weiteren Verlauf der Strecke deutlich, welch furchtbarer Natureingriff geplant ist. Aus purer Bequemlichkeit und wegen ein paar Minuten erfundener "gesparter" Fahrtzeit, sind offensichtlich rücksichtslose oder gleichgültige Menschen bereit, ein Stück wertvoller Natur zu zerstören.

Wunderschön war dann die Fahrt entlang der Ehe, eines Flüsschens, dass einst ein eiszeitlicher Gletscherbach war und später die Gründung Aurichs ermöglichte. Eine "reiche Aue" war das Flussgebiet und lieferte Mensch und Vieh und Ackerbau das wertvolle Wasser. Und so ist es bis
heute geblieben. Und ohne Fluss wäre das Auricher Land entweder ein Sumpf oder würde bei Regen regelmäßig weggeschwemmt.

Die Sandhorster Ehe verbindet Sandhorst mit Walle. Und die Radler*innen erfuhren, dass der Name "Walle" nicht von den "Wällen" stammt, sondern dass das "wallende" Wasser gemeint ist (noch heute heißt im Englischen "well" Quelle). Warum redete Gunnar der die Gruppe leitete, soviel vom Wasser? Weil die Ehe teilweise zugeschüttet und durch einen schnurgeraden Kanal ersetzt werden soll, der parallel zum Straßendamm verläuft. Dabei wird anderswo wieder renaturiert und Flüsse wieder in Schlaufen gelegt – aber das interessiert die Planer anscheinend nicht. Die praktizieren
Mobilitätsplanung wie in den 50er Jahren.

Bei Erreichen der Emder Straße gab es dann einen besonderen Höhepunkt.


Die Ballonaktion

Die Emder Straße verläuft auf einem bis zu 3 m hohen Damm durch die Niederung westlich von Aurich. Und über diesen Damm würde künftig eine B 210n hinwegführen. D. h.: ein Damm überquert einen Damm und dazu gibt es eine riesige Brücke.

Um dieses Monstrum zu veranschaulichen, dass bald ebenso hoch wie die Bäume neben der Emder Straße ist, hatten Dirk und Klara Ballons an einer Schnur installiert, die drei Bauhöhen deutlich machte. Erstens die Höhe des Brückendurchlasses über der Emder Straße, zweitens die Höhe der
Fahrbahn der B210n darüber und drittens die Geländer- bzw. Leitplankenhöhe, die noch dazu kommt. So wurde deutlich, dass ein mehr als 8 m hoher Damm(!) künftig die Sicht auf die Landschaft behindert – und darüber hinaus zahlreiche Wirtschaftswege und kleine Fuß- und Radwege ebenso zerschneidet.

Auf der südlichen Seite der Emder Straße zeigten weitere Ballons an Schnüren zusätzlich zur Höhe auch die Breite der Fahrbahn in 8 m Höhe.
Es sind 3 Fahrspuren geplant, so dass dort in luftiger Höhe einst ein 10 m breiter Asphaltstreifen entlangführen könnte. Und der Damm darunter hätte an der Basis eine Breite von rund 25m(!).


Das "Grüne Dreieck"

Unmittelbar an der Emder Straße liegt das gar nicht mal so kleine Biotop "Grünes Dreieck". Es handelt sich dabei um ein Landstück, das seinen Namen der Form zwischen den Flüssen Sandhorster Ehe, Westerende Ehe und Emder Straße verdankt. Das Gebiet ist zu nass und verwildert für eine Bewirtschaftung und weist auf kleinem Raum eine erstaunliche Landschaftsvielfalt auf.

Und die Radler*innen stiegen daher ab und gingen auf Wanderung und tauchten ein in eine urwaldartige Wildnis, die niemand der noch nicht da war, so erwartet hatte. Schon nach wenigen Schritten hatte einen das Grün der Bäume und Büsche umschlungen und nur noch ein schmaler Pfad war sichtbar. Überschwemmungsbuschwald, Binsenwiese, wilde Beerenhecken und Hochgrasflächen wechselten sich schnell ab. Verwundert wurde ein doppelt laufender Wall zur Rechten zur Kenntnis genommen. Dabei handelt es sich tatsächlich um die alte Ehe, die ursprünglich hier entlang lief.

Tiefer und tiefer ging es in die Wildnis hinein. Ab und zu erhaschten die Wanderer*innen einen Blick auf die umgebenden Wiesen und den blauen Himmel. Hier war es völlig still und friedlich, ein Ort – wie einer der Wanderer sagte – wo sich Fuchs und Igel "Gute Nacht" sagen. Nach einer ganzen Weile erst trat die Gruppe aus der Wildnis heraus und befand sich unvermittelt an der Stelle, wo sich Sandhorster und Westerender Ehe auf wenige Meter nähern und von hier aus parallel weiter südlich laufen.

Die Naturwanderer*innen jedoch wandten sich wieder nach Norden und liefen an der Ehe entlang wieder Richtung Emder Straße. Dort angekommen sah man eine kleine unscheinbare Brücke über die der Straßenverkehr hinwegführt, ohne dass die Autofahrer*innen dies normalerweise merken. Doch dort ist ein verwaschener Stein eingelassen, auf dem zu lesen ist "Königlicher Wegebau – 1841".
Bereits zu Zeiten des Königreiches Hannover (und mit Sicherheit auch schon lange davor) hatte hier also eine Brücke auf dem Weg zwischen Aurich und Emden existiert.

Das "Grüne Dreieck" ist ein Schlüsselgrundstück für den B 210n - Bau. Der Nabu hatte in der Vergangenheit versucht, dieses Paradies aufzukaufen. Aber heute gehört es der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) – und die hat nichts Gutes damit vor.


Im Nabu-Café

Die Radwanderer*innen fuhren nun direkt in die Stadt und sammelten sich im Nabu-Café, wo bereits weitere Gäste warteten. Und hier konnte nun vor allem Peter der Besuchern und Besucherinnen erzählen, wie die verfehlte Mobilitätspolitik im Bund erlebt wird. Oft gab es ungläubiges Auflachen oder empörtes Gemurmel, wenn er vom Betondenken und völlig veralteten Verkehrsvorstellungen berichtete, vom kollektiven
Nichtstun der Regierung, vom Dieselskandal und einer Autoindustrie die gerade die Zukunftsentwicklung verschläft. Auch die Elektromobilität wurde kritisch beleuchtet. Die vielen Millionen künftiger Elektroautos benötigen schließlich Unmassen von Strom. Windräder? Solche Mengen
wird man kaum aufstellen können. Kohle- und Atomindustrie dürften sich schon heute die Hände reiben. Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer – Modelle neuer Speichertechnik.

Aber Peter machte vor allem deutlich, dass sich das "Verkehrsverhalten" ändern muss. "Fläche ist die einzige Ressource, die wir nicht vermehren können", stellte er treffend fest. Wir brauchen mehr ÖPNV, mehr Menschen die das Auto zugunsten von Fahrrad, Bus und Bahn stehen lassen. Und er nannte Car-Sharing, Elektrofahrräder und Schnellbusse als Beispiel. Die Schnellbuslinie S 35 führt heute von Oldenburg nach Westerstede. Wir Grünen wollen diese gerne nach Aurich weiterführen.

Doch Gila berichtete, wie dick die Bretter im Kreistag dafür zu bohren sind. Dort gibt es viele Mitglieder, die noch nie Bus gefahren sind und sich nichteinmal unter der S35-Route etwas vorstellen können. Einige Verhinderer*innen hatten sogar allen Ernstes behauptet, dass eine Buslinie Richtung Oldenburg dem Bus nach Leer Konkurrenz machen würde – und dafür gesorgt, dass das Projekt abgelehnt wurde!
Wer vorher noch nicht wusste, warum Mensch GRÜN wählen sollte, wusste es jetzt!

Wir bedanken uns bei allen Helferinnen und Helfern die zu dieser erfolgreichen Veranstaltung beigetragen haben,
sowie bei den Gästen und besonders bei Peter.

 
 
 
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Letzte Aktualisierung: Februar 2018
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